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Geschichte unserer Fastnacht

aufgeschrieben von unserem Sitzungspräsidenten Sven von Fock

Ein Querschnitt durch Symbolik und Traditionen

Für die einen ist es Fastnacht, die anderen feiern Fasching, wieder andere nennen es Karneval.
Viele Namen – eine gemeinsame Geschichte.

Woher kommt eigentlich die Namensgebung?

Karneval beginnt bekanntlich am 11. November eines jeden Jahres. Höhepunkt der 5. Jahreszeit ist die Woche vor der Fastenzeit. Stellt man sich vor, dass der Begriff "Fastnacht" eigentlich nur für die Dienstagnacht vor Aschermittwoch steht, wäre es nichts mit dem närrischen Treiben in jedem Jahr. Wohl kein Fest trägt so viele unterschiedliche Bezeichnungen, sei es sprachbedingt oder auch regional bezogen. Am weitesten verbreitet sind Fastnacht, Fasching und Karneval. Weitere Namen sind Fasnacht, Fasenacht, Fasteleer, Fasnet, Faslam oder Carneval. Karneval, lat. "caro" (Fleisch) und "elevare" (aufheben) = Das Fleisch wegnehmen. Der Fasching leitet sich ab von der mittelhochdeutschen Zusammensetzung "vast-schanc", die den Ausschank vor der Fastenzeit bezeichnet und damit ähnlich wie die anderen Begriffe auf die bevorstehende Fastenzeit hinweist.

Schon bei den Römern wurde gefeiert

Karneval feiern wir also jährlich vor dem Anbruch der Fastenzeit. Im 10. und 11. Jahrhundert gab es im mittelalterlichen Rom Feste, die durch Rollenspiele gekennzeichnet waren, bei denen Klosterschüler in die Rolle eines Bischofs oder Abts schlüpften. Auf dem Monte Testaccio, einem der Hügel Roms, gab es ( Karnevals- ) Spiele, im Zuge derer ein Bär, junge Stiere und ein Hahn getötet wurden. An diesen Spielen durften nur Männer teilnehmen. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts wurden diese Spiele zu einem öffentlichen Spektakel, an dem der Papst und der städtische Magistrat teilnahmen. Eröffnet wurden sie durch einen Festzug vom Kapitol zum Testaccio, der durch phantasievolle Kostüme und später auch durch Wagen geprägt war. Stierkämpfe, Schlachtzeremonien und verschiedene Wettkämpfe wurden veranstaltet. Dem Agone, einem zweiten Fest, das drei Tage vorher auf der "Piazza Navona" gefeiert wurde, verdanken wir den Karnevalsdonnerstag.

Die Anfänge in Deutschland

Man vermutet, dass die Fastnachtsbräuche im 11. Jahrhundert nach Deutschland kamen. Will man es so nennen, feierten die Kölner nachweislich im Jahre 1341 erstmals Fastnacht. Die Fastenzeit des Mittelalters hatte noch strengere Regeln, als heute. Fleisch und tierische Produkte waren in den 40 Tagen tabu und sogar verboten. So nutzte man die Festlichkeiten zu Festschmaus und Symposien (Saufgelagen). Vorräte, die verderben konnten mussten verzehrt werden. In dieser Zeit entstanden auch die Mutzen (in Fett gebackene, eierhaltige Teigkrapfen). Ein weiteres Verbot dieser Zeit war der Verzicht auf sexuelle Aktivitäten während der Fastenzeit. Hochzeiten während dieser Tage waren keine Seltenheit (Warum? Na, wegen der Hochzeitsnacht). Fröhlicher Tanz von Männlein und Weiblein in der Fastenzeit? Na, wo kämen wir denn da hin! Dazu sollte man wissen, dass Tanzfeste im Mittelalter nicht gerade das waren, was man als züchtig bezeichnen würde. Fast man dies alles zusammen und schmeißt es in einen Topf erhält man den heutigen Karneval, oder etwa nicht? Im 14. und 15. Jahrhundert lesen wir zum ersten Mal von Umzügen und Theaterspielen, bei denen verkleidet und maskiert aufgetreten wurde. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde dann durch den Kleriker Augustinus der Begriff des Fastnachts als Teufelswerk geprägt. Kostüme und Masken änderten ihr Aussehen. Teufelsmasken und Fratzen waren die Regel und zudem kam der Narr ins Spiel. Schaut man ins Wörterbuch ist der Narr ein lustiger Mensch und Spaßmacher. Im Mittelalter ging man mit dem Begriff da weniger zimperlich um. Ein Narr war dumm, beschränkt, geisteskrank, bösartig, gefährlich und ein Gotteslästerer. Keine Angst werter Nichtfastnachter! Narren beißen nicht! Und die Zeiten haben sich geändert. Oder?

Karneval goes Fastnacht

Anfang des 19. Jahrhunderts war die Fastnacht zu einem Fest des kleinen Mannes geworden. Schlägereien, Belästigungen usw. waren an der Tagesordnung. Die Fastnacht, von den Reichen verpönt, war am Ende. Da musste was passieren. Und wer hat's erfunden? Nein, die nicht. Es waren die Kölner. 1823 wurde das Kölner Karnevalskomitee gegründet. Alles sollte der symbolischen Figur des "Helden Karneval" gewidmet werden. So fand der erste Karnevalsumzug am Rosenmontag statt, dem ein sich jährlich änderndes Motto zugrunde gelegt wurde. 1825 folgten Düsseldorf und Koblenz, 1826 Bonn, 1829 Aachen und Mainz 1837. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sich im Rheinland der Sitzungskarneval und die Karnevalsumzüge mit Motivwagen durch.

Die Sache mit der 11

Die Zahl 11 ist die närrische Zahl, aber warum? Aus gutem Grund : Am 11.11. um 11.11 Uhr startet alljährlich die Saison. Den Vorsitz bei einer Sitzung hat der Elferrat. Die Sitzungen und Karnevalsumzüge beginnen offiziell um 11 Minuten nach einer vollen Stunde. Aber warum? Die Elf gilt im christlichen Sinne als Zahl der Sünde, als teuflische Zahl. Darüber hinaus ist die 11 eine der sogenannten "Schnapszahlen" ( 11, 22, 33, ... ). Nachgelesen hier die richtige Erklärung: Die 11 versinnbildlicht die Gleichheit aller Menschen. Also ein(er)s neben ein(em)s. Die Elf ist dabei eine Abkürzung für die drei Schlagworte der französischen Revolution Egalite, Liberte und Fraternite.

Jedem Narr gefällt sei Kapp

In der Fastnacht eingeführt wurde die Narrenkappe kurioserweise von einem preußischen General. Der schrieb sie 1827 in Köln obligatorisch vor, damit man die von der Obrigkeit argwöhnisch beobachteten Narren leichter erkennen konnte. Die Mainzer übernahmen diesen Brauch, als sie 1838 ihre Fassenacht organisierten. Die Form der Kappen entsprach zuerst jener Mütze, die die Jakobiner der Französischen Revolution von 1789 trugen. Diese war ursprünglich die Kopfbedeckung der Leibeigenen und Sträflinge und wurde bei den Bastille-Stürmern zum Symbol der "Liberté". Jetzt bedienten sich ihrer die nach "Narren-Freiheit" strebenden Bürger im Rheinland. Zunächst wechselten die aus Papier gefertigten Kappen von Jahr zu Jahr. Es war Brauch, sie am Aschermittwoch zu verbrennen - übrigens zusammen mit dem "Stern", einer runden Papierscheibe, die als Eintrittskarte für die Veranstaltungen der abgelaufenen Kampagne galt. Form und Ausstattung der Kappen änderte sich schon bald. 1840 hieß es im "Carneval-Almanach", das Produkt der Saison sei eine "schöne, dreischellige, dreischnabelige, vierfarbene Kappe". Die Zahl der Schellen und der „Schnäbel“ wechselte, manchmal kam es gar zu veritablen Ungetüm-Aufbauten auf den Narrenköpfen, die man zeitweise auch mit stilisierten Hahnenkämmen zierte. Eine andere Variante orientierte sich an der Bischofsmütze. Immerhin: In der „Vorzeit“ hatte es schon im Rahmen der Kinderfastnacht kleine „Narrenbischöfe“ gegeben, die mit Billigung der Kirche ihre Späße trieben. Zum Verbrennen waren diese neuen Kappen zu schade (und zu teuer). Es entwickelte sich eine Vielfalt von Kappen, aber auch eine Hierarchie vom einfachen Mitglied bis zum Komiteter. Trotzdem gibt es heute noch närrische Korporationen, in denen jeder, egal auf welchem Posten er aktiv ist, die gleiche Kappe trägt, getreu dem alten Motto: "Gleiche Brüder - gleiche Kappe!" Im Kappen-Club-Niederhöchstadt sind nur die Elferräte „Kappenträger“ und als „Ehren-Senatoren“ darüber hinaus der amtierenden Bürgermeister der Stadt Eschborn sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in besonderem Maße um den KCN verdient gemacht haben. Auch die Kappen des KCN hatten schon die verschiedensten Formen und Farben. Die aktuelle „Kapp“ ist seit 1978 in "Betrieb".

Der Elferrat (Komitee)

Die karnevalistische Korporation hat einen Vorstand und einen Elferrat.  Die Mitglieder haben das Recht, bei den Sitzungen auf der Bühne am Komitee-Tisch zu thronen, von dort Freunden, Bekannten und Ehrengästen zuzuprosten, und selbst stundenlang gesehen zu werden. Eine angesichts der in der Zwischenzeit professionellen Beleuchtungsanlage im Bügerzentrum Niederhöchstadt, der Narrhalla, durchaus eine schweißtreibende Angelegenheit.

Der Elferrat hat nach Ansicht des holländischen Soziologen Theo Fransen sein historisches Vorbild im Herzogtum Brabant. Als Herzog Anton von Burgund in einer Schlacht gefallen war, kamen die Abgesandten der sieben ältesten brabantischen Städte zusammen, um über die Nachfolge zu beraten. Am 4. November 1415 beschloss die Versammlung, den ältesten Sohn des verstorbenen Herzogs als Nachfolger einzusetzen. Da dieser jedoch nicht einmal 11 Jahre alt war, wurde ihm der "Raad van Ellf" zur Seite gestellt - also ein Elferrat.

. . . woll’n mer en ’roilosse

Die Sitzungsvorträge in den Gründerjahren der Fastnacht um 1840 waren überwiegend "Plaudereien" in Prosa. Dazu kamen dann nach und nach neben Vorträgen in Versform auch Zwiegespräche. Allgemeine Politik war noch kein Thema, aber die "Lokalpolitik" spielte von Anfang an eine große Rolle. Bald mischten sich national-politische Töne in den bisher "romantisch" verlaufenden Karneval und die Vorträge wurden schärfer. Dies war eine Reaktion auf gesellschaftliche Missstände und vor allem Protest gegen die Einschränkung von Presse- und Redefreiheit, wie sie im Deutschen Bund des Vormärz noch immer aus dem von Metternich bestimmten Wien verfügt wurde. Der sich im weiteren Verlauf der Sitzungsgeschichte entwickelnde politische Vortrag verstand sich dabei stets als "gekonnte Kritik" und war mehr als Politisieren. Seine Quellen waren Geist, Humor und Toleranz seiner Interpreten. In den Jahren nach 1933 gehörte zu diesen Attributen noch sehr viel Zivilcourage, um sich dem "Mythos des 20. Jahrhunderts" nicht zu beugen - das geschah natürlich auch -, sondern ihm kritisch zu widerstehen. Als sich nach 1945 das Leben wieder normalisierte und erster Wohlstand einstellte, kam der so genannte "Kokolores"-Vortrag neben dem politischen zum Zug. Er thematisiert das Menschlich-Allzumenschliche und erfreut sich unverändert großer Beliebtheit. Der gute politische Vortrag wird aber nach wie vor als Programmpunkt in den Sitzungen unserer Zeit erwartet. Dessen wesentliches Anliegen fasste einmal ein Vertreter dieser Richtung so zusammen:

 "Denen, die ganz oben walten, hier den Spiegel vorzuhalten,
ist Sinn und Zweck von uns'rem Streben.
Und wenn wir dabei Freude geben und der, dem man 'nen Vorwurf macht,
am Ende selbst darüber lacht, seht, des is unser Fassenacht."

 Und in dieser Tradition bewegt sich seit fast 70 Jahren auch der KCN. In den Prunksitzungen gibt es viel Kokolores aber auch Politisches, sowohl in den Text- als auch in den Liedbeiträgen. Der Kappen-Club ist stolz darauf, dass alle Aktiven aus eigenen Reihen stammen und sich nur aus "Spaß an der Freud" in jedem Jahr dem Publikum stellen.

Die Bütt

Die Bütt ist quasi "närrisches Hoheitsgebiet" auf dem der Vortragende die vielzitierte Narrenfreiheit genießt, in der er glaubt, das sagen zu können, was er sich vielleicht sonst nicht zu sagen getraut hätte. Sie ist das närrische Rednerpult für Witz, Geist und Satire, also für das eigentlich Spezifische der Fastnacht. Ihrer Herkunft nach ist die Bütt ein halbes, nach hinten geöffnetes Weinfass. Ist sie zu ihrem närrischen Verwendungszweck wegen ihres symbolischen Inhaltes gekommen? Der Wein gehört schließlich unabdingbar zum närrischen Geschehen. Oder dachte man bei ihrem Einsatz an Diogenes, den weisen Mann aus dem antiken Griechenland, der aus einem solchen Fass seine Philosophie verkündete? Vielleicht hat man deshalb im Laufe der Zeit der Bütt das Aussehen einer Eule, dem Vogel der Weisheit, gegeben und nennt sie aus diesem Grund auch respektvoll "die Eulentonne"? Wie oft hat der Narr in der Vergangenheit durch gesunde, konstruktive Kritik Anregungen gegeben und dazu beigetragen, dass lokale Probleme im Bürgersinne gelöst werden konnten? Deshalb bedient sich auch gerne die profane Prominenz der Bütt, um ihren Standpunkt möglichst gereimt und humorvoll vorzutragen. So steht die Bütt auch als närrisch demokratisches Forum, als Instrument für praktizierte Narrheit-Einigkeit.

Ein dreifach donnerndes Helau

"Unserem Heckstert und unser goldig Fassenacht ein dreifach donnerndes Helau", dieser Satz gehört zum vielgebrauchten närrischen Vokabular eines jeden Sitzungspräsidenten. Ein dreifaches HELAU wird auch auf die Aktiven, die die Sitzung gestalten, als Lohn für ihre Leistung ausgebracht. Ohne HELAU wäre eine Prunksitzung überhaupt nicht vorstellbar. Aber dies war nicht immer so. Bis 1934 erklang in Mainz zu Ehren der Mitwirkenden ein "Hoch" oder "Hurra". In der Kampagne 1935 wurde dann erstmals das neue HELAU angestimmt, das eine Delegation Mainzer Fastnachter von einem Freundschaftsbesuch in Düsseldorf mitgebracht hatte. Es ging den Mainzern so in Fleisch und Blut über, dass selbst bei profanen Fest- und Umzügen außerhalb der Fastnachtszeit oft vom Straßenrand ein fröhliches HELAU erklingt. Bei der Forschung nach der Herkunft dieses Zauberwortes wurden weltliche und kirchliche Quellen befragt. Volkskundler haben dabei herausgefunden, dass es gar nicht so abwegig wäre, das HELAU als Verballhornung des kirchlichen Jubelrufes HALLELUJA zu deuten. Das ist umso wahrscheinlicher, als in bestimmten Regionen des Rheinlandes die Narren noch heute AJUJA rufen. Vielleicht begegnet einem unserer karnevalistischen Altvorderen, die wir im christlichen Glauben im Narrenhimmel wähnen, irgendwann einmal auf "Wolke 11" Gott Jokus. Möglicherweise kann er dann diese Vermutung bestätigen oder dementieren.

Orden – es ist nicht alles Gold, was glänzt

Ordenszeichen waren lange dem Adel und den Militärs vorbehalten gewesen, das neunzehnte Jahrhundert ließ das Ordenswesen allerdings in bisher ungeahntem Maße expandieren, auch Normalbürger hatten nun die Chance, für Verdienste ausgezeichnet zu werden. Im übrigen war 1813 mit dem „Eisernen Kreuz“ das erste sozusagen klassenlose Verdienstabzeichen geschaffen worden. Die Geschichte der närrischen Orden ist dabei so alt wie die organisierte Fastnacht selbst, die im Jahre 1838 begann. Eines der Gründerziele war es, das Ordens(un)wesen von Adel und Militär zu persiflieren. Die Narren konnten sich nun aussuchen, in welche Kategorie sie sich einordnen wollten. Sie waren ja sowohl von närrischem Adel als auch Streiter im Dienste des Gottes Jokus als auch Bürger, die sich um ein vaterstädtisches Fest verdient machten. Also standen ihnen theoretisch alle denkbaren Ordensformen zu. 1838 nahmen sie es noch als Jux hin, dass zwölf herausragende Männer mit dem „Kamel-Orden“ belohnt und zu „Kamel-Rittern“ geschlagen wurden. Doch bald glitzerte und strahlte es an den Narrenbrüsten, dass ein jeder seine Freude daran haben konnte. Band, Stern und Kreuz kombinierte man in bester Manier - und die meisten Orden sahen bald so aus, als seien sie wirklich welche und mindestens vom Großherzog verliehen. Bis zum ersten Weltkrieg orientierte man sich am Vorbild der offiziellen Auszeichnungen, dann erst setzte sich die närrisch-kreative Phantasie durch. Gekreuzte Schwerter ersetzte man durch Pritsche und Narrenzepter, der deutsche Adler machte der Eule Platz, lokale Motive fanden Einzug. So zeigt der erste Nachkriegsorden des MCV den Narren, der versucht, vor der Stadthalle den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Orden gehören zur Fastnacht wie andere Symbole. Durch ihn identifiziert sich der Narr mit seiner Korporation und trägt ihn als sichtbaren Beweis für sein Engagement in "der herrlichsten Nebensache der Welt". Heute sind die Orden nicht selten kleine Kunstwerke - im Prinzip also von der ursprünglichen Bedeutung wieder weit entfernt. Auch die Kampagnenorden des KCN entstammen seit vielen Jahren eigenen Entwürfen und auch in ihnen wird fastnachtliche Symbolik und Lokalkolorit verarbeitet. Es ist kein Wunder, dass es Pseudo-Fastnachter gibt, die mit allen möglichen Tricks versuchen, in einer Kampagne so viele der begehrten Orden abzustauben, dass sie ihren Rücken noch behängen müssten, da die Brust allein nicht mehr ausreicht. Und das alles ohne Nachweis fastnachtlichen Tuns. Der aktive Narr bedauert und verurteilt dies, bleibt aber vom ideellen Wert seines redlich verdienten Ordens überzeugt.

Fastnacht verkleidet man sich

Zu den verbreitetsten Fastnachtsbräuchen gehört seit altersher das Verkleiden. Verkleidung ist nichts anderes als ein Rollentausch. Wer also ein Fastnachtskostüm, Faschingskostüm oder Karnevalskostüm anzieht, gibt damit sichtbar zum Ausdruck, dass er für eine gewisse Zeit in eine andere Rolle schlüpfen möchte. Mit dem Anziehen eines närrisch erscheinenden Gewandes macht er sich für die Zeit des Narrenfestes selbst zum Narr. Das Verkleiden macht aber nur dann Sinn, wenn es eine Kleidungsnorm mit hoher Verbindlichkeit gibt, wenn also ein Verstoß dagegen als bewusste Narretei aufgefasst werden kann. Die Anfänge der Fastnacht liegen nun in einer Zeit, in der es für das ganze Jahr über strenge Kleiderordnungen für die einzelnen Stände, aber auch für die Geschlechter gab. Diese Kleidungsvorschriften, die jedem einen bestimmten Platz im gesellschaftlichen Gesamtgefüge zuwiesen, entstammten dem mittelalterlichen Standesdenken. Eine Ausnahmesituation bot dabei die Fastnacht, wenn etwa Fürsten sich den Spaß erlaubten, in die Bekleidung ihrer Bediensteten zu schlüpfen oder Männer Frauenkleider anzogen. Ironischerweise setzten sich im Laufe der Zeit für die Narrenkleidung ebenfalls fest geregelte Ausdrucksformen durch, die bestimmte Elemente aufwiesen. So unterschied sich das Narrenkostüm in früher Zeit von der üblicherweise einfarbigen Alltagskleidung beispielsweise durch seine Buntheit. Dieses Element wurde durch eine Eselsohrenkappe, einen Hahnenkopf, Schnabelschuhe und Schellen ergänzt. Aber auch in späterer Zeit gab es feste Regelungen für bestimmte Kostümierungen. Selbst heute noch, in einer Zeit relativer Freizügigkeit, gibt es ein gewisses Einvernehmen darüber, welche Kleidung zu welchen Personengruppen bzw. zu welchen Anlässen gehört. Selbst heute noch gibt gerade die Fastnachtszeit daher Gelegenheit, diese Norm zu übertreten. Allerdings sind die festgelegten Verkleidungsnormen durch eine Fülle an Phantasieformen für Fastnachtskostüme bzw. Karnevalskostüme abgelöst worden. Dennoch lassen sich die heute üblichen Verkleidungen bestimmten Bereichen zuordnen.

Am Donnerstag geht es los

Am letzten Donnerstag vor der Fastenzeit beginnen die jecken Tage. Wie schon der Karneval wird auch dieser Tag unterschiedlich benannt. Im südwestlichen Deutschland spricht man vom "schmutzigen Donnerstag" oder "schmotzigen Donnerstag". Nein, mit "schmutzig" hat das nichts zu tun, sondern mit aus dem schwäbisch-alemannischen stammenden Wort Schmotz (Fett). Fetter Donnerstag nennt man diesen Tag übrigens in vielen Regionen. An diesem Donnerstag wurde früher letztmalig vor Aschermittwoch geschlachtet. Auch heute wird teilweise mancherorts traditionell fettdonnerstags geschlachtet . Wieder andere Namen sind unsinniger Donnerstag oder aber gumpiger Donnerstag. Das Wort gumpig leitet sich von dem mittelhochdeutschen gumpen (auf und ab hüpfen) ab. Im Rheinland ist der Donnerstag der Weiberfastnacht vorbehalten. An diesem Tag übernehmen die Frauen symbolisch das Regiment. Frauen haben ja bekanntlich komische Ideen, so zeigen sie dieses Regiment durch den Brauch aus, den Männern die Krawatten abzuschneiden. Also Herrschaften, entweder die Krawatte zu Hause lassen oder das ungeliebte Weihnachtsgeschenk der Schwiegermama anziehen.

Das närrische Wochenende

Am Freitag ist geschlossen und Ruhetag. Rausch ausschlafen und Energie tanken für das Wochenende. Eigentlich liegt da aber nicht der Grund für das geringe Angebot am Freitag. Der Freitag wird als Gedenktag an den Tod Christi begonnen. Ein päpstliches Edikt von 1748 untersagt sogar jegliche Aktivität an diesem Tag. Einige Narren können es aber selbst am Freitag nicht lassen. Der Fastnachtssamstag wurde bereits 1462 in Augsburg und 1643 in Ulm schriftlich erwähnt. In früherer Zeit war der Samstag der Tag, an dem traditionell die Schmalzküchlein und Fastnachtskrapfen gebacken wurden. Der Samstag ist in vielen rheinischen Städten der Tag der "Rathauserstürmung". Die Narren übernehmen für vier Tage im Jahr die Gewalt über die Städte. Der Sonntag steht für zahlreiche Fastnachtsveranstaltungen. Je nach Region finden närrische Jahrmärkte oder auch Fastnachtszüge statt. So auch am Fastnachtssamstag von Niederhöchstadt nach Eschborn.

Deutschlands höchster Feiertag – Rosenmontag

Der höchste Feiertag des Narren ist, vor allem im Rheinland, der Rosenmontag. Aber auch weit darüber hinaus ist er inzwischen unter diesem Namen bekannt. Das 1823 gegründete das Kölner Karnevals Komitee hielt jeweils am Montag nach dem dritten Sonntag vor Ostern, seine Jahreshauptversammlung ab. Im 11. Jahrhundert weihte der Papst in Rom an diesem Rosenmontag eine goldene Rose. Das Organisationskomitee, das den Umzug organisierte, benannte sich nach diesem Tag "Rosenmontagsgesellschaft". Und so wandelte sich erst der Zugname und dann der ganze Tag zum Rosenmontag. Der Rosenmontag ist traditionell der Tag der Karnevalsumzüge. Der erste Rosenmontagsumzug fand 1824, wo auch anders, in Köln statt. Die größten Umzüge gibt es heute in den Fastnachtshochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf.

Und noch ein Tag

Der Fastnachtsdienstag bildet den Abschluss der närrischen Tage, den Kehraus. Am Fastnachtsdienstag wird noch einmal kräftig bis Mitternacht Fastnacht gefeiert. Dort, wo es die Figur des Fastnacht gibt, wird sich dieser entledigt. Die Fastnacht wird öffentlich verbrannt oder in einer "feierlichen" Zeremonie zu Grabe getragen.

Der böse Tag, der mit A beginnt

Diesen Tag kennt ein Fastnachter nicht, mancher erlebt ihn zugegebenermaßen auch nicht wirklich und weil wir uns der Fastnacht verschrieben haben, boykottieren wir diesen Tag und fordern "365 Tage Fastnacht im Jahr". Aschermittwoch finden wir doof.